Regionale Ernährung

auch im Herbst & Winter möglich?

Ich freue mich sehr dar­über, dass ich Michaela von der Gemüsekiste für mei­nen Blog gewin­nen konnte und Dir so in kurzen Interviews, Einblick in bestimmte Themen verschaffen kann. Und Dir dadurch den Mehr­wert bie­ten kann, Dich mit Fra­gen an eine Exper­tin auf dem Gebiet Ernäh­rung zu wenden. Ich sel­ber habe Sie schon unzäh­lige Male bei The­men rund um Ernäh­rung auf­ge­sucht und fühle mich von ihr immer gut bera­ten. Oft muss man auf Ter­mine beim Arzt oder Spe­zia­lis­ten lange war­ten und hat dann nur kurz Zeit, um sich über sein Anlie­gen aus­zu­tau­schen. Hier möchte ich Dir daher mit die­ser Reihe die Mög­lich­keit bie­ten direkt mit einer Expertin in Kon­takt zu tre­ten, um Dir einen Rat ein­zu­ho­len. Bestimmt kann Sie, ich oder auch ein ande­rer Leser Dir in den Kom­men­ta­ren wei­ter­hel­fen. Lasst uns uns ver­net­zen und gegen­sei­tig wei­ter­hel­fen mit wert­vol­len Erfah­rungs­be­rich­ten oder Anre­gun­gen. Wenn Dir ein Thema beson­ders auf dem Her­zen liegt, schreib es gern in die Kom­men­tare, es wird dann wenn mög­lich in naher Zukunft von Michaela auf­ge­grif­fen wer­den. Ich freue mich auf alle Bei­träge und einen regen Aus­tausch - Deine Kim Liza

Die­sen Monat wol­len wir uns mal mit dem Thema „regio­na­ler Ernäh­rung“ beschäf­ti­gen. Dazu habe ich wie­der mit unse­rer Ernäh­rungs­be­ra­tern Michaela gespro­chen, von der ich weiß, dass sie zu die­sem Thema bereits sehr viele Kurse gege­ben hat und sich auch sonst sehr für das Thema interessiert.

Kim: Regio­nale Ernäh­rung ist ja ein aktu­el­les und span­nen­des Thema. Wie stehst Du eigent­lich dazu?

Michaela: Ja, da liegst Du genau rich­tig, denn die­ses Thema ist eigent­lich ein Ste­cken­pferd von mir. Zu die­sem Thema habe ich bereits sehr viele Kurse gege­ben, ganz egal ob mit Kin­dern im Grund­schul­al­ter oder mit jun­gen Erwachsenen.

Kim: Oh, das klingt ja inter­es­sant. Was sind denn das für Kurse?

Michaela: Ich ver­mittle Kin­dern Wis­sen über Gemüse und Obst­sor­ten, die direkt bei uns in der Region wach­sen und stelle sie den Sor­ten gegen­über, die viele Kilo­me­ter zu uns gereist sind. Die Kin­der sind immer wie­der sehr erstaunt, wie weit weg doch man­ches wächst oder haben im Grunde genom­men gar keine Vor­stel­lung davon, wo ihre Lebens­mit­tel herkommen.

Kim: Das kann ich mir vor­stel­len. Hast du ein Bei­spiel für uns?

Michaela: Ich kann mich an ein Mäd­chen erin­nern, für die war ein Gra­nat­ap­fel etwas völ­lig nor­ma­les, die Rote Bete hat sie aber zu den Exo­ten gezählt. Das ist schon ver­rückt, das die Kin­der kaum hei­mi­sches Gemüse ken­nen, aber Dinge die von weit weg­kom­men als etwas völ­lig nor­ma­les ansehen.

Kim: Und was erzählst du Ihnen? Was ist denn eigent­lich der Nach­teil von exo­ti­schen Zuta­ten wie Ana­nas, Banane und Co.?

Michaela: Es liegt ja klar auf der Hand: Regio­na­li­tät hält den CO2-Fuß­ab­druck klein: Lange Trans­port­wege scha­den der Umwelt. Bei regio­na­len Pro­duk­ten sind die Trans­port­wege kurz, was wie­derum mit einer posi­ti­ven Öko­bi­lanz ein­her­geht. Das bedeu­tet „Regio­nale Pro­dukte“ haben kurze Wege hin­ter sich. Dazu kommt, das man natür­lich viel mehr Kon­takt zum Erzeu­ger hat und weiß wo man die Sachen her­be­kommt. Beim Kauf von regio­na­len Pro­duk­ten bleibt das Geld außer­dem in der Region. Die Erzeu­ger wer­den vom ent­spre­chen­den Händ­ler bezahlt und kau­fen ihrer­seits wie­derum in der Region ein. Dies führt zu einer Stei­ge­rung der Kauf­kraft, sowie zum Erhalt und der Ent­ste­hung neuer Arbeitsplätze.

Kim: Puh ein gro­ßer Kreis­lauf wie man sieht. Sag mal, funk­tio­niert das denn über­haupt, sich nur mit hei­mi­schen Pro­duk­ten zu ernäh­ren, ist das nicht sehr eintönig?

Michaela: Ein weit ver­brei­te­tes Vor­ur­teil ist die geringe Aus­wahl an regio­na­len Lebens­mit­teln wäh­rend der Herbst- und Win­ter­mo­nate. Denn auch in der kal­ten Jah­res­zeit gibt es eine breite Aus­wahl an regio­na­len Gemü­se­sor­ten, die auf dem Tel­ler für Abwechs­lung sor­gen. Gurke, Zuc­chini und Paprika fal­len weg, klar. Aber es gibt leckere Alter­na­ti­ven. Von Cham­pi­gnons über Rote Beete und Pas­ti­na­ken bis hin zu Karot­ten, Kohl­sor­ten und Kür­bis­sen. All diese regio­na­len Pro­dukte bie­ten eine tolle Grund­lage für win­ter­li­che Salate, Sup­pen und Aufläufen.

Kim: Oh ja, ich per­sön­lich könnte mich ja den gan­zen Herbst und Win­ter von Ofen­ge­müse, im spe­zi­el­len von Kür­bis­sen, ernäh­ren! Aber sag mal, könn­test Du viel­leicht hier ein­mal was zu den The­men sai­so­nal und regio­nal sagen?

Michaela: Klar! Die bei­den Berei­che sind ganz dicht mit­ein­an­der ver­knüpft, denn das eine geht nur mit dem ande­ren. Man sollte sich immer bei der Ernäh­rung an dem Sai­son­ka­len­der lang­han­geln und genau das essen, was zu die­ser Jah­res­zeit auch Sai­son hat. Das bie­tet auf jeden Fall eine Abwechs­lung und die Preise sind natür­lich immer dann unten, wenn das Gemüse oder auch das Obst gerade auch in der Region zu bekom­men ist. Dein Sai­son­ka­len­der hier bie­tet ja zum Bei­spiel schon eine ganz gute Ori­en­tie­rung oder auch das schlen­dert über einen Wochen­markt. Hier brin­gen die Lang­wirte ja auch nur das mit, was aktu­ell auf den hei­mi­schen Fel­dern geern­tet wird.

Kim: Danke Dir, ich kann den Kalen­der ja mal hier unter unse­rem Inter­view ver­knüp­fen. Bedeu­tet dass eigent­lich, es ist bes­ser für mich und meine Umwelt auf Obstexo­ten zu verzichten?

Michaela: Na, so weit würde ich nicht gehen. Es darf auch mal eine Banane, Ana­nas und Co. sein. Ich bevor­zuge da auf jeden Fall Pro­dukte aus bio­lo­gi­schem Anbau, denn nur dann wird auch gewähr­leis­tet, dass die Ware für die weite Reise nicht mit Pes­ti­zi­den belas­tet wurde und dass auch auf einen fai­ren Umgang mit den Ange­stell­ten geach­tet wurde. Ich bin bei der Ernäh­rung immer für eine ganz aus­ge­gli­chene Art und Weise. Das bedeu­tet für mich wo immer es geht regio­nal und sai­so­nal. Wo es nicht geht, da darf es auch was aus dem Aus­land sein. Für mich gehen immer Trau­ben aus Ita­lien und Spa­nien, aber bei Trau­ben aus Afrika sperre ich mich und Banane aus Frei­burg wäre toll, funk­tio­niert nun aber ein­fach nicht. Tomate, Salat­gurke usw. schme­cken mir im Win­ter sowieso nicht. Da bevor­zuge ich lie­ber hei­mi­sches Gemüse kurz in der Pfanne ange­bra­ten — passt für mich in der kal­ten Jah­res­zeit sowieso besser.

Woran wir auch den­ken soll­ten, wenn wir Ware aus dem Aus­land bezie­hen: Viele Gemü­se­sor­ten wer­den in eher tro­cke­nen Regio­nen ange­baut, die eine zusätz­li­che Bewäs­se­rung erfor­der­lich machen. Das ist oft so in Län­dern, bei denen die Was­ser­vor­räte sowieso knapp sind und so kost­ba­res Trink­was­ser ver­braucht wird.

Kim: Da stimme ich Dir zu, vor allem auf den letz­ten Punkt möchte ich noch mal ein­ge­hen. Ich habe gerade wie­der einen Arti­kel über Qui­noa oder auch Avo­ca­dos gele­sen. Hier wird im Anbau ein­fach sehr viel Was­ser gebraucht, aber nicht nur das, dadurch das Qui­noa zu einem Export­schla­ger gewor­den ist, sind die Preise inzwi­schen so hoch, dass das Getreide nicht mehr für die Ver­sor­gung der ärme­ren Fami­lien aus­reicht. Das wie­derum kann zur Folge haben, dass auf weni­ger nähr­stoff­rei­che Pro­dukte wie Mais und Reis zurück­ge­grif­fen wird und zu einer Fehl- oder sogar Man­gel­er­näh­rung führt.

Neben die­sem Pro­blem, besteht noch das der Mono­kul­tu­ren, die sich hier uns da jetzt schon zei­gen, da zu viel von einem Pro­dukt ange­baut wird. Die ver­eh­rende Folge hier­von wie­derum ist die ver­min­derte Frucht­bar­keit der Böden.

Also ich glaube es kann nicht scha­den, wenn wir ein­fach bei unse­ren Ein­käu­fen alle ein wenig nach­den­ken und hin­ter­fra­gen ob wir wirk­lich alles zu jeder Zeit ver­füg­bar haben wol­len, oder viel­leicht auch ein­fach auf hei­mi­sche Pro­dukte zurück grei­fen kön­nen und uns freuen wenn andere Pro­dukte wie Erd­bee­ren im Früh­jahr auch wie­der bei uns erhält­lich sind.

Wenn Dich diese The­men zum Nach­den­ken gebracht haben, oder Du Deine Gedan­ken hier tei­len möch­test, dass schreib doch gern in die Kom­men­tare oder eine Mail an mich. Michaela und ich neh­men uns gern allen Rück­mel­dun­gen an und freuen uns hier mit Euch in Kon­takt kom­men zu kön­nen, denn davon lebt ein Blog und ins­be­son­dere diese Ernäh­rungs­reihe. Vie­len Dank für Deine Zeit Michaela, es hat mir wie­der viel Spaß gemacht.

Michaela: Ich freue mich hier eine Plattform gefunden zu haben, auf der ich mit Dir in Kontakt treten kann. Hier erwarten Dich ein paar Themen rund um die Ernährung. Ich setzte mich gern mit verschiedenen Bereichen wie einer gesunde Ernährung bei Kindern, klimafreundlichem Kochen, Resteverwertung von Lebensmitteln und ganz vielen anderen Bereichen auseinander. Jeden Monat werde ich hier einen Beitrag mit Dir teilen und freue mich auf Dein Feedback. Zu mir: Ich bin zweifache Mutter und habe eine Ausbildung zur Ernährungsberaterin absolviert. Durch meine langjährige Arbeit in der Gemüsekiste ist gesunde Ernährung und der Umgang mit Lebensmitteln eine Selbstverständlichkeit für mich. Wenn es die Situation zulässt, gebe ich regelmäßig Kurse an Schulen und weiß daher auch wie insbesondere Kinder so ticken, was sie anspricht und welche Bedürfnisse sie in den unterschiedlichen Altersstufen haben.